Tettnanger besuchen Mengens Innenstadt

Pflasterbelag und Fugenbild stehen im Fokus – Trotz Zufriedenheit, bleibt eine Sorge

Von Anja Reichert

Tettnang/Mengen - Eine Stunde Fahrt liegt hinter den rund 15 Tettnangern, die am Freitag nach Mengen gefahren sind, um den dortigen Pflasterbelag in der Innenstadt zu besichtigen. In ähnlicher Weise soll er auch in Tettnang verlegt werden. Aufgerufen haben zu dem Besuch Vertreter der CDU- und SPD-Fraktion. Gefolgt sind dem Aufruf, neben einzelnen Stadträten, Experten, Mitarbeitern der Verwaltung, auch Bürger und Vertreter des Einzelhandels. Das Resultat: Der Belag gefällt, doch bei den Händlern bleibt eine Sorge.

 

Dass die Stadt Mengen in engem Zusammenhang mit der Neugestaltung der Tettnanger Karlstraße steht, ist den Vertretern von Verwaltung und Rat nicht neu. Mehrmals habe die Verwaltung in den vergangenen Jahren Mengen besucht, erklärte Stadtbaumeister Daniel Zöhler im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Denn das Grundkonzept ist vergleichbar: Hinter den Plänen beider Sanierungsmaßnahmen steht das Karlsruher Architektenbüro Gerhardt, das sowohl in Mengen als auch in Tettnang den städtebaulichen Wettbewerb gewonnen hat. Heißt: einen ähnlichen Pflasterbelag, eine ähnliche Produktfamilie, also Straßenmöblierung, um Fahrradständer, Mülleimer oder Leuchten, wie sie es in Mengen seit mehreren Jahren gibt, soll es auch in Tettnang geben.

 

Warum aber der Besuch, nicht mal eine Woche bevor der Gemeinderat die Vergabearbeiten beschließen wird? Stadtrat Hermann König (SPD) erklärt, dass es darum gehe, den Eindruck, den das Beispiel in der Karlstraße vermittelt, auszulöschen: „In der Vermittlungsphase ist ein Fehler passiert, der muss korrigiert werden.“ Kritik am Beispielpflaster, Lob für die Verwaltung: „Ich wusste, dass die Leute bei uns das gut machen, gut vorbereiten. Es geht darum, zu zeigen, dass es so toll wird wie hier.“


Auch Sylvia Zwisler (CDU) zeigt sich am Ende des Besuchs überzeugt. „Es war mir wichtig, das hier gesehen zu haben. Schließlich ist es eine Entscheidung für die nächsten Jahre.“ Nun könne sie guten Gewissens mitgehen – „mit schmalen Fugen und geschliffen“, wie sie betont. Anders als es in Mengen ist. Denn es gibt sie, die kleinen Unterschiede: Der Tettnanger Stein kommt nicht wie der Mengener aus Bayern, sondern aus einem spanischen Steinbruch. Dreierlei Steine werden geschnitten, nicht gebrochen, die Fugen werden dadurch schmaler. Ein Belag, der auch für Rollstuhlfahrer problemlos passierbar ist, wie Freddy Pfleiderer, Behindertenbeauftragter der Stadt Friedrichshafen und Teilnehmer der Mengen-Fahrt, bestätigt.


Auch Claudia Gössel und Renate Simmeth haben die Gruppe begleitet und Einzelhändler in Mengen nach deren Erfahrungen gefragt und relativieren die Begeisterung. Da ist natürlich die Angst vor der Bauphase, vor dem Unwissen, wie sich die Monate gestalten werden. Das Danach scheint den beiden klarer: Der Belag sei schön, gut zu laufen, aber mit einer Umsatzsteigerung nach der Maßnahme rechnen sie nicht: „Vom Umsatz hat es hier nichts gebracht. Ein toller Belag, viele Parkplätze und nicht mehr Umsatz. Wir haben deutlich weniger Parkplätze.“


Parkplätze – Es ist ein Thema, das den beiden wichtig ist. „Wir brauchen mehr Parkplätze. Niemand trägt Lebensmittel spazieren.“ Tettnang sei ihrer Meinung nach eine Einkaufsstadt, zum Bummeln gehen die Kunden nach Friedrichshafen oder Ravensburg“, sagt Gössel. Sie ist gegen die verkehrsberuhigte Zone, gegen die Pläne, die sich die Verwaltung noch offen halten möchte: nämlich irgendwann die Karlstraße in eine verkehrsberuhigte Zone zu wandeln und die asphaltierte Straße zu pflastern. Doch darum geht es noch nicht: Im Gemeinderat am Mittwoch werden die Bauarbeiten vergeben. Im April sollen die Maßnahmen beginnen.