Kündigung der Mitgliedschaft in der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BOK



Schwäbische Zeitung | Oberschwaben & Allgäu | 11.06.2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leserbriefe, die vom 10.06. – 13.06.2016 von der Schwäbischen Zeitung veröffentlicht worden sind:

 



Landschaftsschutzgebiet oder Kiesabbaugebiet?


Im September 2015 wurde eine einstweilige Sicherstellung über rund 2000 Hektar geplantes Landschaftsschutzgebiet (LSG) über den Tettnanger Wald und deutlich darüber hinaus von Ihnen verordnet (Landratsamt). Das bisherige LSG umfasst 700 Hektar.

Auslöser der Sicherstellung sind die im Tettnanger Wald zu Neige gehenden Kiesvorräte. Um den Kiesabbau auch zukünftig zu erhalten, ist eine Änderung der aktuellen Schutzverordnung notwendig, die es erlauben soll, auch unter dem Grundwasserspiegel Kies abzubauen.


Gleichzeitig werden aber auch große landwirtschaftliche Flächen um den gesamten Tettnanger Wald mit einbezogen. So dürfen beispielsweise auf bestehenden Ackerflächen keine mehrjährigen Sonderkulturen mehr angebaut  werden, wobei doch gerade diese für unsere Region typisch sind. Wie würde ein Tettnang ohne Hopfen- und Obstanbau denn noch aussehen? Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zu meinen größten Bedenken. Auf der betroffenen Fläche sollen in Zukunft auch keine Maßnahmen zum Schutz vor Umwelteinflüssen möglich sein. So sind Schutzeinrichtungen gegen Hagel verboten. Gleiches gilt für den Erhalt oder Bau von Drainagen, die das Grundstück trocken halten sollen. Der Landwirt der Zukunft kann nur noch zuschauen, wie sein Obst vom Hagel beschädigt wird oder sein Getreide im Wasser steht und eingeht.


Eine Entwicklung eines Landschaftsschutzgebiets das unsere Versorgung von Lebensmitteln dem Zufall von Wetter und Natur überlässt, ist für mich nicht akzeptabel.


Thomas Maier, Tettnang

 



Völlig daneben, Herr Landrat


Was den Landrat zu derartigen Verbalattacken veranlasst, bleibt wohl sein Geheimnis, ist in der Sache aber völlig daneben. Hätte er die Entscheidung des Gemeinderates bedauert und nicht gut gefunden –o.k. Es zeugt aber fast schon von einem gewissen Demokratiedefizit, wenn eine souveräne Mehrheitsentscheidung von gewählten Volksvertretern derartig diskreditiert und mit allerlei sonstigen Themen unzulässig verquickt wird.


Dass der Bodenseekreis derart gut dasteht hat, Herr Wölfle, in erster Linie mit einer breiten Wirtschaftsstruktur und tollen großen und mittelständischen Unternehmen mit guten Bildungseinrichtungen, guter Infrastruktur, guter Politik durch Land und Landkreis, mit dem Fleiß und Können der Menschen etc. pp. und wohl weniger mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Bodenseekreis zu tun.


Dem kleinen, gallischen Dorf in Tettnang mangelnde Solidarität vorzuwerfen, trifft nun gar nicht zu, weisen doch zum Beispiel alle Statistiken aus, dass Tettnang im Vergleich zu anderen Städten im Kreis in den letzten Monaten zur Bevölkerungszahl weit überproportional viele Flüchtlinge vom Landkreis aufgenommen, untergebracht und versorgt hat.


Jürgen Weishaupt, Tettnang

 

 


Tettnang nicht weiter gängeln


Fast alle Landratsämter haben die alten Kfz-Kennzeichen wieder zugelassen. Nur der BOK und maßgeblich Herr Wölfle verwehrte uns das „TT“. Der Bodenseekreis hat das Krankenhaus Tettnang verkauft. Dafür „beglückt“ uns der Landkreis mit einem völlig überdimensionierten Landschaftsschutzgebiet, was für viele Landwirte eine Existenzgefährdung und faktische Enteignung bedeutet.


Dass Tettnang weit mehr Flüchtlinge aufnimmt, als es muss, hat der Landrat wohl auch vergessen. Anstatt unsere Stadträte zu beschimpfen, sollte Herr Wölfle lieber aufhören, Tettnang weiter zu gängeln!


Marion Kowalski, Tettnang

 

 

 

 

 


Sehr geehrter Herr Landrat Wölfle,

bezugnehmend auf Ihre Äußerungen in der Schwäbischen Zeitung vom 11.06.2016 zum Ausstieg Tettnangs aus der WFB habe ich mir lange überlegt, ob ich Ihnen nun ein paar Zeilen schreibe oder nicht. Nachdem es mich aber nachhaltig beschäftigt, möchte ich Sie auch an meinen Gedanken teilhaben lassen. Sie haben Ihre Gedanken in eben diesem Interview ja auch ausführlich mit uns allen geteilt.


Ich bin seit fast 20 Jahren bei der ifm-Unternehmensgruppe und bin dort heutzutage für den Bereich Ausbildung und Personalentwicklung verantwortlich. Außerdem bin ich seit 2 Jahren im Gemeinderat der Stadt Tettnang und dies meist voller Freude!

Ich kann verstehen, dass der Ausstieg von Tettnang aus der WFB Folgen hat. Mir ist auch klar, dass Sie darüber nicht erfreut sind. In Ihrer Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der WFB ist Verärgerung verständlich. Der Ausdruck eines solchen Ärgers sollte allerdings immer sachlich bleiben.


Ich hatte in den vergangenen 16 Monaten keineswegs den Eindruck, dass Sie das Thema in dieser Weise interessiert, wie Sie es nun in Ihrer Härte kommentieren.


Zumindest kam dieser Eindruck bei mir nicht an, da genug Zeit gewesen wäre, das Gespräch auch von Ihrer Seite mit dem Gemeinderat der Stadt zu suchen. Anstatt dessen durften wir uns im Jahr 2015 eine humorlose Schelte beim Zunftmeisterempfang anhören.
Dies scheint für Sie auch eine gern genutzte Möglichkeit zu sein über den Gemeinderat der Stadt Tettnang zu schimpfen… So auch in diesem Jahr, wo Sie es tatsächlich fertig gebracht haben die Aufnahmefreudigkeit von Flüchtlingen in Tettnang zu kritisieren. Und das zu dem Zeitpunkt als wir in der Stadt über das 2 ½-fache unseres Solls untergebracht hatten.


Sehen Sie es mir nach, wenn mir das Verständnis hierfür fehlt. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn wir mit Ihnen eine konstruktive Art und Weise gefunden hätten über diese Themen zu reden.


Es sollte eben nicht beim Schimpfen am Zunftmeisterempfang oder durch Zeitungsinterviews bleiben.

Jetzt allerdings in einer Art und Weise die Solidarität der Stadt Tettnang in Frage zu stellen ist schon etwas befremdlich. Es drängt sich der Eindruck auf, dass Sie Ihr negatives Bild von Tettnang im Kopf haben und sich immer dann dazu äußern, wenn es mal wieder in Ihr Bild passt.

Sie sehen keine negative Stimmung im Kreis zum Thema WFB? Das ist ein weiterer Indikator dafür, dass Sie wohl nicht ganz an „Volkes Stimme“ dran sind. Ebenfalls in der Ausgabe der Schwäbischen Zeitung vom 11.06.2016 wurde aufgeführt in welchen Gremien ebenfalls über dieses Thema kritisch diskutiert wird. In Meckenbeuren war es – wie Sie sicher wissen – ja bereits als Sparpotenzial identifiziert worden. Überzeugte Mitgliedschaft sieht für mich anders aus.

Es sei weiter auch erwähnt, dass die komplette Zeit seit dem „Schuss vor den Bug“ des Gemeinderats Tettnang am 04.02.2015 für unser Verständnis die ehrliche Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten auch seitens der WFB nicht wirklich sichtbar war.


Das lag zum einen daran, dass die konstruktive Mitarbeit in der Organisation der „Tettnanger Wirtschaftsgespräche“ nicht stattfinden konnte, obwohl der Gemeinderat hierzu bereit war. Eine Podiumsdiskussion mit Unternehmern wurde ebenfalls abgelehnt.
Herr Otte ging den Tettnanger Gemeinderäten eher aus dem Weg als sich gerade mit ihnen konstruktiv in den Dialog zu begeben.


Herr Otte verhielt sich – verzeihen Sie bitte – geradezu hochgradig arrogant und vermittelte den Eindruck als dass er die Tettnanger nicht nötig hat und deren Bedenken komplett unverständlich sind.


Damit wir uns richtig verstehen, niemand will dass jemand einen Bückling macht. Jedoch sieht konstruktives Auseinandersetzen mit Kritik nach meiner Erfahrung anders aus. Dasselbe möchte ich auch Ihnen nach diesen zurückliegenden Monaten sagen.
Seien Sie sich sicher, dass sich keiner diese Abstimmung über den Austritt leicht gemacht hat. Jeder von uns hat die Monate genutzt, bei jeder Möglichkeit Bürger und Unternehmer nach Sinn und Nutzen der WFB zu befragen. Das Ergebnis war leider eindeutig, was auch zu diesem beeindruckend klaren Abstimmungsergebnis geführt hat. Wir sind von den Bürgern gewählte Vertreter und sollen deren Interessen vertreten. Dies haben wir nach bestem Wissen und Gewissen getan. Wenn Ihr Demokratieverständnis gleich bedeutend mit „Ausstieg aus der Solidarität des Kreises“ ist, wundert mich das schon.

Ich hoffe Sie lesen diesen Brief noch immer und haben ihn nicht längst mit hochgezogener Augenbraue weggelegt. Wenn dem so ist, würde ich mir wünschen, dass wir künftig mehr miteinander zu solchen Themen ins Gespräch kommen und weniger übereinander reden, urteilen und verurteilen. Schwierige Sachthemen haben wir alle in unserer Arbeit. Respektvolles Miteinander kann hier weiterhelfen um hier nicht ins persönliche und unsachliche abzurutschen.

Ich verbleibe mit dem Dank für Ihre Zeit


mit freundlichen Grüßen


Bernhard Bentele